Jüdisches Berlin |
Führungen und mehr... |
|
|
REGINA JONAS: AUF DEN SPUREN DER ERSTEN RABBINERIN
1902 in Berlin geboren, studierte Regina Jonas an der liberalen Hochschule Wissenschaft des Judentums.1935 erhielt sie eine Privatordination. Da durch Emigration von Rabbinern während der Nazizeit viele Kleingemeinden verwaist waren, wurde Regina Jonas mit deren Betreuung beauftragt. Ab 1942 mußte sie Zwangsarbeit leisten. Sie wurde in Auschwitz ermordet. Danach gab es vier Jahrzehnte keine Frauen als Rabbinerinnen. Erst 1972 wurde in der amerikanischen Reformbewegung die erste Nachkriegsrabbinerin ordiniert. In den letzten Jahren hat die jüdische Frauenbewegung in den USA nachhaltig das Leben der jüdischen Gemeinschaft beeinflusst.. Neue Rituale, Liturgien und Schriftauslegungstraditionen sind entstanden. Auch in Deutschland versuchen in den letzten Jahren Gruppen am Rand und außerhalb der jüdischen Gemeinden an liberale Vorkriegstraditionen in Deutschland anzuknüpfen, wobei Anregungen aus Amerika aufgegriffen und weiterentwickelt werden. So wird der Bogen zur Situation von jüdischen Frauen im heutigen Deutschland geschlagen.
Sarah und Hagar in der jüdischen Tradition
Wie sieht die Hebräische Bibel (Altes Testament) und die mündliche Tradition (Talmud) die beiden Frauengestalten Sarah und Hagar? Warum gilt Sarah als Prophetin? Ist Hagars Situation auf die Frage der Leihmutterschaft heute übertragbar? Wie gehen jüdische Frauen heute mit diesen Erzähltraditionen um und führen sie weiter, z.B. in Form von neuen Ritualen? Diesen Fragen gehen wir nach mit Hilfe von Texten aus Torahkommentaren nach und mit kreativen Methoden.
Geh nicht in die Mikwe – oder doch?
Anhand eines Krimis wird die Rolle des rituellen Tauchbads im orthodoxen Judentum erschlossen als ein traditioneller Frauenort. Schon in der Handlung angelegt sind neuere Entwicklungen im liberalen Judentum der letzten zwei Jahrzehnte, wo Frauen z.B. alternative Heilungsrituale entwickeln (z.B. nach Fehlgeburten) und die ursprüngliche Bedeutung dieses Ortes für sich neu definieren und erweitern. Dies wird durch einige Gedichte in denen zeitgenössische Frauen ihre persönliche Erfahrung mit der Mikwe thematisieren, erschlossen.
Von den Übergängen des Lebens: Hilfen zum Umgang mit Krisen
Aufgrund gestiegener Lebenserwartung und einer Vielfalt von möglichen Lebensentwürfen besteht ein großes Bedürfnis, für eigene Lebenssituation zu Gestaltungsmöglichkeiten in Krisensituationen (Trennung, Scheidung, Adoption, Kinderlosigkeit, Umzug, gleichgeschlechtliche Partnerschaften) zu finden.
Wir gehen der Frage nach, wie traditionelle Übergangsrituale im Judentum gestaltet werden und welche Formen jüdische Frauen für sich in den letzten Jahren entdeckt haben, z.B. Übergangsrituale nach einer Brust- bzw. Gebährmutterentfernung. Da Jüdinnen prozentual überdurchschnittlich häufig von diesen Krankheiten betroffen sind, entwickelten sich in den USA daraus gesundheitspolitische Forderungen z.B. nach Bereitstellung von mehr Geldmitteln für Ursachenforschung aber auch für Gesundheitsprogramme.
Schabbat oder vom Umgang mit Zeitstrukturen
Im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft gehen in zunehmenden Maß verbindende und verbindliche Zeitstrukturen verloren. Eine große kulturgeschichtliche Leistung des Judentums besteht darin, der Menschheit das Bewußtsein für die Wichtigkeit eines freien Tages in der Woche (Schabbat) gegeben zu haben. Was bedeutet Schabbat im traditionellen Judentum und wie sieht hier insbesondere die wichtige Rolle der Frau aus? Wie kann der Grundgedanke von der „Heiligkeit der Zeit", die im Schabbat ihren Ausdruck findet, in eine moderne Welt transportiert werden, die dazu neigt, der „Heiligkeit der Produktionsmittel" Priorität zu geben? Welche Hilfestellung bietet der Schabbat-Gedanke um zu einem gesunden Umgang mit Zeitstrukturen zu kommen?
Lernen - oder wie Frauen sich neue Lernwelten aneignen
Im traditionellen Judentum wird der Bereich des Lernens der männlichen Lebenswelt zugeordnet. In den letzten Jahrzehnten haben sich – vor allem durch Einflüsse der Frauenbewegung - Veränderungen vollzogen in der Art, daß jüdische Frauen in den nicht-orthodoxen Richtungen des Judentums für sich gleiche Mitwirkungsmöglichkeiten gefordert und verwirklicht haben. Dies findet seinen Ausdruck in neuen Formen des Umgangs mit der hebräischen Bibel (feministische Torahkommentare), Liturgien und erzählende Texte, die eine Sprache verwenden, die Frauen einschließt (gender inclusive), bis zur Möglichkeit, dass Frauen Rabbinerin oder Kantorin werden sowie der Aufbau von Frauennetzwerken im Bereich Erziehung, Bildungsarbeit, Sozialarbeit, Therapie.
Kaschrut - oder der Umgang mit Nahrungsmitteln
Traditionell gehört es zur Rolle jüdischer Frauen für den Umgang mit Nahrungsmitteln und die Zubereitung derselben nach den Standards des jüdischen Religionsgesetzes verantwortlich zu sein. Die Grundprinzipien der Kaschrut laufen darauf hinaus, dass mit Nahrungsmitteln (pflanzlich und tierisch) so schonend wie möglich für Menschen aber auch im Hinblick auf Tiere, Pflanzen, Bodenbearbeitung umgegangen wird. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Frage nach gentechnischen Veränderungen von Tieren und Pflanzen (Zusetzung von Gensoja etc.) werden koschere Lebensmittel in den nächsten Jahren auch bei uns eine steigende Bedeutung haben und möglicherweise auch hierzulande eine attraktive Variante für Ernährungsbewußte werden. (Dieses Thema kann in Berlin mit der Führung „Koscher-Kudamm-Tour“ verbunden werden.
_


Vorträge - Seminare - Workshops