Jüdisches Berlin

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Es gibt ganz unterschiedliche Formen von Mikwaot. Eine Mikwe (rituelles Tauchbad) kann als eigenes Gebäude konstruiert werden oder sie kann sich in einem Gemeindezentrum befinden. Sie soll so gelegen sein, daß die Befolgung der Mizwa des Untertauchens so bequem und diskret wie möglich ausgeführt werden kann.

Diese Stufen führen zur Mikwe. Es gibt einen Vorraum, der als Warteraum genutzt wird. Die Mikwe-Frau (Balanit) kümmert sich um die Mikwe-Nutzerinnen. Wenn eine Frau zum ersten Mal kommt, werden ihr die Abläufe erklärt und die Räume gezeigt. Die Balanit sorgt auch dafür, daß alle benötigten Utensilien vorhanden sind und schaut darauf, daß alles nach den Standards der Halacha (des jüdischen Religionsgesetzes) abläuft. Sie ist auch dafür verantwortlich die Privatsphäre jeder Nutzerin zu gewährleisten, denn die Befolgung dieses Gebotes ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Wenn bereits eine andere Frau die Mikwe nützt, ist auch noch Zeit eine Tasse Tee zu trinken.

Sobald die Mikwe frei ist, führt die Balanit die Mikwe-Besucherin in einen Vorbereitungsraum, der mit allem ausgestattet ist, was für die Vorbereitungen nötig ist: Duschgel, Haarwaschmittel, Nagellackentferner ... Da beim Untertauchen in der Mikwe nichts zwischen dem Körper und dem Wasser sein darf, wird alles, was dazwischen ist, entfernt: Lippenstift, Nagellack, andere kosmetische Produkte, Kontaktlinsen, Ehering, Schmuck, Pflaster, Bandagen ... Ob Handtücher zur Verfügung gestellt werden oder mitgebracht werden sollen, wird unterschiedlich gehandhabt.

Außerdem steht eine Dusche bzw. eine Badewanne zur Verfügung. Wenn eine Frau die Vorbereitungen lieber bei sich zuhause macht, so ist das möglich, und sie wird dann vor dem Untertauchen noch kurz duschen und die Haare kämmen. Bevor die Frau in die Mikwe geht, prüft die Balanit, ob bei den Vorbereitungen nichts vergessen worden ist.

Auf den allerersten Blick sieht eine Mikwe wie ein Mini-Schwimmbecken aus. Was aber den wesentlichen Unterschied aMikwe in der Oranienburger-Strasse (Foto: Susanna Rürup)usmacht, ist die Konstruktion, die speziellen Vorgaben des jüdischen Religionsgesetzes folgt und von Rabbinern überwacht wurde, die Mikwe-Konstruktionsspezialisten sind. Das Wasser einer Mikwe ist "lebendiges Wasser". Es gibt Grundwassermikwen und solche, die aus einer Zisterne, die auf dem Dach das Wasser sammelt, gespeist werden. Die Mikwe in der Oranienburger Strasse erhält ihr Wasser aus einer Zisterne vom Dach. Das Wasser muß aus einer natürlichen Quelle kommen oder Regenwasser sein. Die technischen Möglichkeiten in der heutigen Zeit ermöglichen die Regelung der Wassertemperatur.

Außerdem wird eine Bracha (Segensspruch) gesagt. Sie lautet:

Baruch ata adonai eloheinu melech ha'olam, ascher kidschanu bemizwotaw weziwanu al hatewila
(Gesegnet seist Du, haSchem, unser G-tt, König des Universums, der uns geheiligt hat durch seine Gebote und uns geboten hat unterzutauchen.

Wenn die Mikwe im Rahmen einer Konversion (Übertritt zum Judentum) genutzt wird, wird auch das Schechejanu gesagt.

Die Balanit achtet darauf, daß die Tewila (das Untertauchen) richtig durchgeführt wird. Der Körper muß völlig vom Wasser umgeben sein. Anschließend hat die Mikwe-Nutzerin noch Zeit für sich selbst sofern sie das möchte.

In einem anderen Raum befindet sich ein Kelim, ein Becken für das Kaschern von Geschirr. Es wird benutzt für neu gekauftes Geschirr oder wenn milchiges Geschirr mit Fleischigem in Berührung gekommen ist und umgekehrt. Bei diesem Kelim sieht man sehr gut den Wasserzufluß.

Tahara, Tumah und Mikwe - rituelle Reinheitsgebote im Judentum

Mikwaot in Berlin

Weitere Informationen und Buchung: info@berlin-juedisch.de

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Schild: Mikwe
virtuelle Mikwe-Tour