Jüdisches Berlin

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Jüdische Friedhöfe in Berlin

Zitadelle Spandau

Die ältesten jüdischen Grabsteine wurden 1955 bei Restaurierungsarbeiten in der Zitadelle Spandau entdeckt. Sie sind aus der Zeit zwischen 1244 und 1474.  Insgesamt wurden 65 Steine gefunden. Sie stammen wahrscheinlich von verschiedenen Friedhöfen.

Zitadelle Spandau, Am Juliusturm,
U 7 Zitadelle Spandau

Besichtigungen sind nur nach Vereinbarung möglich: 030/354944-212 (Pförtner) oder -297 (Verwaltung)

Jüdischer Friedhof Große Hamburger Strasse

Hier wurde 1672, ein Jahr nachdem die ersten jüdischen Familien aus Wien angekommen waren, der erste jüdische Friedhof eingeweiht. Beerdigungen fanden bis 1827 statt.  12 000 Menschen sollen hier bestattet worden sein. 1943 wurde der Friedhof von Nazis auf Befehl der Gestapo geschändet und zerstört. Heute ist nur noch eine Grünanlage zu sehen. Ein Gedenkstein erinnert an Moses Mendelssohn, den großen Gelehrten und Wegbereiter der Aufklärung.

Grosse Hamburger Strasse 26,
U 8 bis Weinmeisterstrasse, verschiedene S-Bahn- und Straßenbahnlinien bis Hackescher Markt

Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee

1827 wurde dieser zweite jüdische Friedhof eröffnet. 22 000 Grabstätten befinden sich auf fünf Hektar. 1880 wurde er offiziell geschlossen, dennoch gab es bis weit ins 19. Jahrhunderte noch Beerdigungen, so etwa die des Malers Max Liebermann im Jahr 1935, dessen restauriertes Ehrengrab sich im hinteren Teil des Friedhofs befindet.

Während der Nazizeit wurde der Friedhof schwer beschädigt. Alle Schmuckelemente aus Metallen wurden gestohlen. 1945 wurden zahlreiche Grabsteine entfernt und für die Errichtung von Schutzwällen gegen Panzer in den umliegenden Straßen missbraucht. Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhe, wie der Komponist Giacomo Meyerbeer, die Verleger Albert Mosse und Leopold Ullstein, die Gelehrten Abraham Geiger und Leopold Zunz, die Bankiers Gerson Bleichröder und Joseph Mendelssohn.

Lapidarium

Das Lapidarium, das auf den Fundamenten der ehemaligen Trauerhalle errichtet wurde, stellt mehr als 60 restaurierte Grabsteine aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert aus verschiedenen Berliner jüdischen Friedhöfen aus. Zahlreiche Informationstafeln erschließen die Grabmale.

Das Lapidarium ist während der Öffnungszeiten des Friedhofs zugänglich. 

Judengang

An der hinteren Friedhofsmauer zwischen Metzer Straße und Kollwitzstraße führt der restaurierte Judengang entlang. Die Legende besagt, dass sich der preußische König Friedrich Wilhelm III bei seinen Fahrten zum Schloß Niederschönhausen von den Trauerzügen gestört gefühlt haben soll. Deshalb sei der Judengang abseits von der Schönhauser Allee entstanden, der den Zutritt zum Friedhof von der hinteren Seite her ermöglichte. Er ist durch ein Metalltor, in das ein Davidstern gestanzt ist, einsehbar und nur zu bestimmten Zeiten für die Allgemeinheit begehbar, meist am „Tag des offenen Denkmals“ (2. Sonntag im September).

Die Dokumente, die vom jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee erhalten sind, werden in Weissensee aufbewahrt. Falls Sie Informationen darüber benötigen, wenden Sie sich bitte an die Verwaltung des Jüdischen Friedhofs in Weissensee Tel: 925 33 30

Schönhauser Allee 23-25, Tel: 441 98 24;
U2 bis Senefelder Platz, M2 bis Metzer Strasse

Mo – Do 8.00 – 16.00 h, Fr 8.00 h – 13.00 h; Sa / So und an jüdischen Feiertagen geschlossen

Jüdischer Friedhof Weissensee

Dieser mit über 40 Hektar größte jüdische Friedhof Europas mit seinen mehr als 115 000 Gräbern wurde 1880 eingeweiht. Fast ein Drittel der deutschen Juden lebten vor der Schoah in Berlin.  

Die Haupt- und einige Nebenwege sind alleeartig mit Bäumen bepflanzt.

Viele bekannte jüdische Berliner haben hier ihre letzte Ruhe gefunden: Der Gelehrte Hermann Cohen, der Komponist Louis Lewandowski, der Maler Lesser Ury, die Gründerin der Volksküchenbewegung Lina Morgenstern, der KaDeWe-Gründer Adolf Jandorf, der Verleger Samuel Fischer, der Gastronom Berthold Kempinski … Ein eigenes Denkmal gibt es für die Mitglieder der jüdisch-kommunistischen Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Auch an die im ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten wird durch ein Ehrenfeld erinnert.

Im Eingangsbereich rechts gibt es außerdem ein Grab für Torahrollen. Dort sind 90 Torahrollen bestattet, die in der Pogromnacht vom 9. November 1938 geschändet wurden. Während der Nazizeit wurden 4000 Gräber beschädigt und eine Trauerhalle zerstört. Einige Juden überlebten versteckt auf dem Friedhofsgelände. Zahlreiche kleine Grabsteine verweisen auf Juden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verstorben sind und bestattet wurden. Ab Oktober 1941 - als die Deportation der jüdischen Bevölkerung in Berlin begann - haben 1400 Juden Suizid begangen um sich der Deportation zu entziehen. Der erste öffentliche Gottesdienst nach der Befreiung wurde am 11. Mai 1945 von Rabbiner Martin Riesenburger in der Haupthalle des Friedhofs geleitet.

Derzeit bemüht sich die jüdische Gemeinde darum, dass der Friedhof in die Unesco-Liste der Bauwerke, die zum Weltkulturerbe gehören, aufgenommen wird.

Herbert-Baum-Strasse 45, Tel: 925 33 30, Fax 923 76 296
M4, M12, M13 bis Antonplatz

So – Do 8.00 h – 17.00 h (November bis März 8.00 h – 16.00 h), Fr 8.00 h – 15.00 h; am Samstag und jüdischen Feiertagen geschlossen

Friedhof  der orthodoxen Gemeinde Adass Jisroel

Dieser ebenso in Weissensee gelegene Freidhof wurde 1880 eröffnet und hat etwa 3000 Grabstellen. 1991 wurde die rekonstruierte Trauerhalle eingeweiht.

Der Friedhof ist ständig abgeschlossen und kann nur nach Absprache mit dem Gemeindebüro besucht werden (Tel: 925 17 24).

Jüdischer Friedhof Heerstraße

Nachdem sich 1953 aufgrund der politischen Gesamtsituation die Ostberliner und die Westberliner jüdische Gemeinde trennten, bestand die Notwendigkeit im westlichen Teil der Stadt einen Friedhof einzurichten. 1955 wurde in Charlottenburg in der Heerstraße dieser neue Friedhof eingeweiht.

Hier sind der langjährige Gemeinde- und Zentralratsvorsitzende Heinz Galinski, der Quizmaster Hans Rosenthal und die SPD Stadtverordnete sowie Bundestagsabgeordnete Jeanette Wolff beerdigt.

Friedhof Heerstraße 141; Tel 304 32 34
X 34, X 49, M 49, Bus 218 bis Scholzplatz

So – Do 8.00 h - 17.00 h (November bis März 8.00 h - 16.00 h; Fr 8.00 h - 15.00 h)

Bitte beachten Sie, dass Männer beim Besuch eines jüdischen Friedhofs eine Kopfbedeckung benötigen. Diese erhalten Sie bei Bedarf am Friedhofseingang.

Führungen: Friedhöfe erzählen Kultur- und Lebensgeschichten

info@berlin-juedisch.de
jüdischer Friedhof Weissensee
jüdischer Friedhof Weissensee
Judengang
Judengang
jüdischer Friedhof Große Hamburger Straße
jüdischer Friedhof Große Hamburger Straße
Ehrengrab Max Liebermann
Ehrengrab Max Liebermann